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Der Schlupf ist auch für den routinierten Züchter immer wieder ein großes Erlebnis !
Eine solche Profizuchtanlage ist der Traum eines jeden Kanarienzüchters. Leider ist eine solche Anlage nicht gerade billig. Für dreißig Zuchtboxen müssen in etwa 2000 € bezahlt werden. Die Vollkunststoff-Ausführung hat den Vorteil, dass sie leicht zu reinigen ist. Außerdem finden Plagegeister wie Milben nur wenig Unterschlupfmöglichkeiten, da alle Fugen versiegelt wurden.
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Die meisten Besucher dieser Seiten werden selbst Kanarien halten und haben bereits aus der vorhandenen Literatur entnommen, wie die Vögel untergebracht und gepflegt werden. Trotzdem sollen hier noch einige grundlegende Anmerkungen und Tipps gegeben werden.
Kanarien können in Käfigen, Vitrinen und Volieren gehalten und auch gezüchtet werden. Es hängt ganz davon ab, was man damit erreichen will. Gegenwärtig wird die Zucht in Brutkäfigen vorgezogen; das sind sogenannte Kistenkäfige, die ringsum geschlossen und nur an der Vorderseite mit einem Gitter aus Drahtstäben versehen sind. Das geringste für einen Einzelkäfig in Betracht kommende Format sollte folgende Maße haben: Länge 50 cm, Tiefe 40 cm und Höhe 40 cm. Am Drahtgitter werden von außen Trinkfläschchen, Futtemäpfe und innen je ein Gefäß für Leckerbissen und Vogelgrit angebracht, während das Nistkörbchen und eine kleine Raufe für Grünfutter ihren Platz im Inneren des Käfigs haben. Es müssen ferner mindestens zwei Sitzstangen vorhanden sein, und überdies muss für die Vögel noch Raum zum Fliegen bleiben.
Generell gilt: Je größer die Zuchtboxen sind, desto besser für die Vögel.
Man kann auch einen Doppelkäfig benutzen, entweder als Hecke für zwei Pärchen oder zu dem Zweck, das Männchen vor und nach der Paarungszeit vom Weibchen zu trennen. Viele Liebhaber setzen zur Zucht ein Männchen mit zwei oder noch mehr Weibchen an und verwenden dazu einen dreiteiligen Brutkäfig. Das mittlere Abteil ist für das Männchen vorgesehen, das nun nach Bedarf zu dem einen oder anderen Weibchen eingelassen wird. Die einzelnen Gelasse sind durch Schiebewände voneinander getrennt, in denen sich Luken befinden, durch welche der Hahn seine künftige Partnerin kennenlernen und anbalzen kann. Teilt man das Mittelabteil in zwei Etagen auf, so kann man zwei Männchen darin unterbringen. Die Maße der zwei- und dreiteiligen Brutkäfige lassen sich von denen der Einzelhecke ableiten. Natürlich sollen die jungen Kanarien ausreichend Gelegenheit haben, sich zu entwickeln und werden, sobald sie selbständig sind, in einem geräumigen Käfig oder einer Voliere untergebracht. Da das Kanarienweibchen zwei- oder dreimal hintereinander zur Brut schreitet, müssen die Jungen noch einige Zeit vom Männchen gefüttert werden, und wenn man sie in ein angrenzendes Abteil setzen kann, wird das Männchen diese Aufgabe auch durch das Drahtgitter hindurch erfüllen. Die Sitzstangen müssen fest angebracht, aber leicht herausnehmbar sein, damit sie gereinigt oder durch andere ersetzt werden können. Die Vögel müssen die Sitzstangen mit den Zehen vollständig umschließen können; zu dicke oder unsicher angebrachte Sitzstangen sind häufig Ursache unbefruchteter Gelege!
Brutkäfige werden am besten in einem ruhigen Raum mit Fenstern nach Osten oder Südosten aufgestellt, so daß den Vögeln die Morgensonne zugute kommt. Natürlich ist auf äußerste Sauberkeit der Zuchtboxen zu achten, um Ungeziefer und Krankheiten fernzuhalten. Für frische Luft und viel Licht muss ebenfalls gesorgt werden. In ungeheizten Räumen gezüchtete Kanarien sind am widerstandsfähigsten, nur für ein paar besondere Rassen gelten andere Regeln. Kanarien sind Vögel, die gerne baden. Ein Badehäuschen ist daher notwendiges Zubehör. Am besten hängt man es einmal täglich vor die Käfigtür.
Das Grundfutter der Kanarien, die verschiedenen Sämereien, müssen natürlich von bester Qualität sein. Die wichtigsten Sorten sind süßer Rübsen und Glanz (Spitzsaat); ergänzt werden sie mit geringen Mengen Negersaat, Leinsamen und Hanf, auch mit etwas geschältem Hafer, sowie Salat- und manchen Unkrautsamen. Im Handel sind sehr gute Mischungen erhältlich, sparen sie jedoch nicht am Futter. Oftmals ist billigeres Futter zu stark geölt oder sehr staubig, was zu Misserfolgen in der Zucht führen kann. Manche Profis stellen sich ein Futter nach eigenem Rezept zusammen. Im Frühjahr und Sommer fügt man die halbreifen Samen von allerlei Wildpflanzen wie Hirtentäschel, Müchdistel, Wegerich, Huflattich und Löwenzahn hinzu. Grünfutter ist unerlässlich, und außer den Blättern der obengenannten Kräuter können Salat, Zichorie, Grünkohl, Spinat und geriebene Möhre gereicht werden. Zur Fütterung das ganze Jahr hindurch hat sich Vogelmiere bestens bewährt. Achtung! Vergewissern Sie sich, dass die gesammelten Futterpflanzen nicht mit Pestiziden oder durch Autoabgase verunreinigt sind. Am Besten werden die Futterpflanzen im eigenen Garten selbst angebaut. Da weiss man was man hat! Während der Paarungs- und Brutzeit gibt man zusätzlich in Milch erweichtes Weissbrot, mit hartgekochtem Hühnerei vermischt. Gute fertige Weichfutterzusammenstellungen - sogenanntes Ei- oder Aufzuchtsfutter - sind ebenfalls auf dem Markt.
Das Trinkwasser ist natürlich jeden Tag frisch zu reichen. Gekeimte Sämereien bilden neben dem Aufzuchtfutter eine wichtige Ergänzung des Speisezettels für Jungvögel. Vielseitige Ernährung, zu der unbedingt auch tierische Stoffe wie Milch, Ei, Speck und Blattläuse gehören, sind die beste Garantie für gesunde Junge. Sie werden dann auch gut durch die erste Mauser kommen, welche sechs Wochen dauert und alle Kraft des Vogels beansprucht.


Für die Zusammenstellung der Zuchtpaare ist noch einiges zu sagen. Meist wird es ganz im Belieben des Züchters liegen, ein odere mehrere Weibchen einer bestimmten Farbvarietät mit einem bestimmten Hahn zu verpaaren. Im Frühjahr sind die Geschlechter deutlich an der Form der Afteröffnung zu unterscheiden; diese ist beim Männchen etwas vorgestreckt und spitz , beim Weibchen dagegen flach. Außerhalb der Brutzeit und bei Jungvögeln ist die Bestimmung der Geschlechter oft recht schwierig. Manchmal sehr undeutliche Merkmale des Männchens sind die etwas kräftigere Gestalt, das größere Auge, der lautere Gesang, bei welchem die Kehle anschwillt, und die größere Lebhaftigkeit. Der erfahrene Züchter hat hierfür einen gewissen Instinkt entwickelt und wird sich im Geschlecht seiner Vögel nur selten irren. Bei einigen Farbschlägen steht von vornherein fest, welche Farbe die Männchen und welche die Weibchen haben werden, wodurch das Geschlecht schon bei den Nestjungen zu erkennen ist. Weiteres hierzu auf der Vererbungs-Seite.
Hat man nun seine Entscheidung hinsichtlich der Verpaarung getroffen, so darf man die Vögel aber noch nicht so ohne weiteres zusammensetzen. Da heißt es geduldig abwarten, bis sich Anzeichen für die Brutreife bemerkbar machen. Die Vögel beginnen sich dann für das Weichfutter zu interessieren, und die Weibchen lassen sich von den Männchen füttern. Nun erst, meist nicht vor Mitte oder Ende März, kann das Nistkörbchen in den Käfig gehängt und Nistmaterial - Sharpie, feines Heu, Moos, Hanffasern und Jute - gereicht werden. Zunächst wird man feststellen, dass das Weibchen den Lockruf des Männchens erwidert, dass es mit einer Feder im Schnabel auf den Sitzstangen umherhüpft und sich gern füttern lässt. Bald beginnt es nun auch mit dem Nestbau und beschäftigt sich damit so lange, bis es das erste Ei gelegt hat.
Schon eine Woche zuvor erhält das Weibchen feinen Grit zur Eischalenbildung, ferner Negersaat, die das Legen erleichtert. Da der Vogel vom ersten Ei ab brütet, ersetzen viele Züchter die ersten beiden Eier unmittelbar nach deren Erscheinen durch Kunsteier und tun sie erst dann wieder ins Nest zurück, wenn das dritte Ei da ist. Dies hat sich vor allem bei solchen Weibchen bewährt, die ihre Jungen nachlässig füttem. Ein gutes Zuchtweibchen sucht das Nest zum Füttern auf, solange sperrende Junge darin sind. In diesem Fall sind die zuletzt geschlüpften Jungen beim Ausfliegen mindestens so kräftig wie die Erstgeborenen.
Im allgemeinen legen Kanarien ihre vier bis sechs Eier in Abständen von einem Tag, wobei entweder ein Tag überschlagen wird oder zwei Eier an einem Tage gelegt werden. Das erste Gelege im Jahr wird durchweg 14 Tage lang bebrütet, während spätere Gelege oft, infolge der höheren Brutwärme, schon nach 13 Tagen auskommen.
Sobald die Brut beginnt, muss sich der Züchter entscheiden, ob er das Männchen beim Weibchen lassen oder es von diesem trennen will. Manche Weibchen lassen sich durch die Anwesenheit des Männchens nicht stören und bringen ihre Jungen mühelos und einwandfrei auf; andere hören auf zu brüten, sobald der Hahn entfernt wird. Dies hängt ganz vom Temperament des Vogels ab. Allgemein kann man sagen, dass die Anwesenheit des Männchens von Vorteil ist, da es sich an der Aufzucht der Jungen beteiligt.
Bei der Wechselhecke im oben beschriebenen dreiteiligen Käfig wird das Männchen in den mittleren Teil gesetzt. Eine Gitterwand sorgt dafür, dass es Kontakt mit dem am stärksten heckreifen Weibchen hat. Zu geeigneter Zeit lässt man den Hahn zum Weibchen hinein, und wenn das Gelege vollzählig ist und die Brut begonnen hat, wird er herausgenommen und wieder ins Mittelabteil verbracht, wonach die Gitterwand durch eine undurchsichtige Trennwand ersetzt wird.
Erstere kommt nun an die andere Seite seines Gelasses, bis zu dem Zeitpunkt, da das zweite Weibchen heckreif ist und er zu diesem gesetzt werden kann. Dort bleibt der Hahn wieder, bis die Paarung erfolgt ist und die Brut begonnen hat. Dieses Verfahren kann man noch zweimal innerhalb der Brutperiode anwenden, doch ist zu bedenken, dass hier die Weibchen die Last der Aufzucht allein zu tragen haben und auch noch für sich selbst sorgen müssen.
Es kann übrigens vorkommen, dass zwei Weibchen gleichzeitig die Heckreife erlangen, so dass es ein Nachteil wäre, den Hahn eine Woche oder länger bei einem von ihnen zu lassen. In diesem Fall kann man es ruhig riskieren, ihn morgens zu dem einen und mittags zu dem anderen Weibchen zu setzen und dies einige Tage nacheinander zu wiederholen. Sind die Weibchen wirklich brutreif, so wird der Hahn sie auch bestimmt treten.
Die im Handel befindlichen Aufzuchtfuttersorten enthalten alle notwendigen Vitamine und und man geht am sichersten, wenn man diese Möglichkeit nutzt und nicht ein Eifutter selbst zusammenstellt. Gekochtes Huhnerei ist nämlich ein ausgezeichneter Nährboden für krank machende Pilze und Bakterien. Will man dennoch sein eigenes Eifutter herstellen, so sollte man das Ei mindestens eine halbe Stunde kochen und danach mehrere Stunden abkühlen lassen, so dass der Dotter vollkommen trocken ist. Man zerdrückt es sodann mit einer Gabel, ohne es mit der Hand zu berühren, und vermengt es mit geriebenem Biskuit und feingemahlenem Rübsen und Leinsamen. In der ersten Woche wollen die Jungen nur das Eigelb haben.
Während der Brut lässt man das Weibchen am besten ganz in Ruhe. Es hat auch keinen Sinn, nach fünf Tagen die Eier zu durchleuchten. Man kann ruhig die 13 oder 14 Tage abwarten. Meist verläuft der Schlupf nach Wunsch. Manchmal kommen aber nicht alle Jungen aus, weil einige Eier unbefruchtet und eingetrocknet sind oder weil der Keim abgestorben ist. Die Ursache ist oft schwer festzustellen. Es kann auch vorkommen, dass das Junge zwar lebt, aber nicht im Stande ist, die Eischale zu durchbrechen. In diesem Falle kann man die Schale mit Hilfe eines Streichholzes zu beiden Seiten des Schnabels vorsicht lösen, doch muß man sich hüten, das Junge ganz auszupellen. Forciert man den natürlichen Gang der Dinge, so geht das Tier ganz gewiss ein. Empfehlenswert ist es, dem Weibchen am dreizehnten Bruttage Gelegenheit zum Baden zu geben. Dann geht es mit feuchtem Gefieder auf das Gelege, was dem Schlupf sehr förderlich ist.
Für ein gesundes Aufwachsen der Jungen kann der Züchter manches tun. Das Eifutter muss täglich frisch gereicht werden, ebenso auch das Grünfutter. Der zur Aufzucht verwandte Rübsen, der am besten in einer Pfeffermühle gemahlen wird, soll innen milchigweiß und ölhaltig sein. Trocken gewordener Rübsen kann bei den Nestjungen zum Tode führen. Nicht zu empfehlen ist außerdem dunkler bitterer Rübsen.
Für das Verhalten des Weibchens während der Brut braucht nicht viel gesagt zu werden. Ist es eine gute Mutter, so läuft alles wie am Schnürchen, es kann aber passieren, dass sie nach ein paar Tagen aufgibt, dass sie Schweiß absondert und die Jungen ebenfalls durchnässt oder dass sie diese aus dem Nest wirft. Natürlich muss dann eingegriffen werden, falls dies noch hilft. Das Schwitzen des Weibchens hat seine Ursache darin, dass es zuviel Weichfutter aufnimmt. Ein Gegenmittel ist Beschränkung auf Körner- und Grünfutter und eine Beigabe von Kochsalz zum Badewasser. Statt Eifutter wird in diesem Fall besser in Milch erweichtes Weißbrot gegeben, und zwar täglich frisch. Junge, die von der Mutter nicht gefüttert werden, wird man meist über mehrere andere Nester verteilen müssen.
Normalerweise verlassen die Jungen das Nest im Alter von 21 Tagen, doch geht ihre Entwicldung manchmal etwas langsamer vor sich, so dass sie einige Tage später ausfliegen. Man sollte sie dann nicht vom Nest scheuchen, denn solange sie es nicht von sich aus verlassen, sind sie auch nicht fähig, sich auf den Sitzstangen zu halten.
Das Beringen der Jungen geschieht, wenn sie 7-9 Tage alt sind. Es erfordert eine gewisse Geschicklichkeit und etwas Übung. Die flüggen Jungen lässt man so lange bei den Eltern wie möglich, da sie noch gefüttert werden. Wenn das Weibchen wieder brutlustig wird und die Jungen umherzujagen beginnt, müssen diese von den Alten getrennt werden, und zwar nur durch ein Drahtgitter, durch welches hindurch sie der Vater noch weiterhin füttern kann. Erst wenn sie überwiegend Glanz fressen, setzt man sie in eine Voliere um, wo sie mehr Gelegenheit zum Fliegen haben. Damit sie die Jugendmauser gut überstehen, soll ihnen bis dahin eine möglichst vielseitige Nahrung geboten werden.
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